Wie Insektizide unser Wohnzimmer kontaminieren

Was verbindet ihr denn mit dem Wort Insektizid? Ist das für euch positiv belegt? Ich assoziiere damit Gift, Lähmung, Tod, Insekten, Felder, Pflanzen und Bienensterben. Positiv belegen kann ich das Wort nicht. Allenfalls fallen mir dann noch die Wollläuse an meiner Klivie ein, die ich vor einiger Zeit mit einem Insektizid bekämpft habe. Mittlerweile mache ich auch das schon anders, verwende Öl und die Läuse ersticken, ansonsten sehe ich das als letztes Mittel der Wahl. Der Gedanke daran, dass ich selbst das Mittel an die Hände bekomme oder aber ich auf andere Art damit in Kontakt gelange, löst in mir Unbehagen aus.

Warum erzähle ich euch heute über Insektizide? Weil wir heutzutage, meiner Meinung nach, viel zu unbeschwert diese Mittel einsetzen und das zusätzlich bei unseren Haustieren. Das Problem dabei ist, dass wir alle mit den Folgen zu kämpfen haben, spätestens wenn die Insekten, u.a. das Nahrungsmittel unserer Vögel und die Bienen, die für die Bestäubung der Pflanzen sorgen, nicht mehr da sind.

Die Pflanzen und Bäume sorgen für unseren lebensnotwendigen Sauerstoff. Dieser Grund sollte allein schon wichtig genug sein, um Insektizide nicht wahllos einzusetzen.

Die Internetseite doccheck definiert das Wort Insektizid wie folgt:
Ein Insektizid ist ein Pestizid, welches speziell gegen schädliche Insekten wirken soll. Ein anderes Wort dafür ist Insektengift. (…) Die Mehrzahl der zur Zeit angewendeten Insektizide hemmen die Acetylcholinesterase der Insekten, was die neuronale Signalweiterleitung behindert und zu einer Überreizung führt.

Vereinfacht heißt das: Der Stoff (das Enzym), der eigentlich eine Reaktion im Körper hervorgerufen hätte, tut das nun nicht mehr (gehemmt) und das hat negative Auswirkungen auf die Steuerungszentrale (das zentrale Nervensystem). Das Insekt stirbt, denn durch die Beeinträchtigung der Steuerungszentrale verliert das Insekt letztendlich die Gewalt über die Motorik und letztendlich aller lebenswichtigen Funktionen.

Ganz egal welcher genaue Mechanismus bei all den unterschiedlichen Stoffen, die auf dem Markt sind, dahinter steckt. Es geht immer darum das Nervensystem der Insekten bzw. Zecken tödlich zu stören. So folgt der Wirkstoff Fluralaner dem Prinzip die Nervenreizleitung an den Zellmembranen zu blockieren. Das geschieht dadurch, dass bestimmte Rezeptoren die Chlorid-Kanäle in den Zellmembranen von Nervenzellen öffnen und letztendlich eine Erregungsweiterleitung verhindert wird. Es kommt zur Lähmung und Tod.

Weshalb reagieren wir hier auf diesen Stoff? Weil nicht nur Insekten oder Zecken diese Rezeptoren haben, sondern auch wir bei uns im ZNS!

Wir reagieren mit Durchfall und Erbrechen, denn der Körper will das Gift schnellstens loswerden

Die Gefährlichkeit eines Insektizides spüren wir dann, wenn wir mit einem Insektizid in Berührung kommen. Natürlich sind wir um einiges größer als ein Insekt, aber auch hier gilt immer: die Menge macht das Gift und es entscheidet auch immer die Konstitution desjenigen, der damit in Berührung kommt. Das bedeutet: Ist er vielleicht bereits chronisch krank oder sein Immunsystem nicht intakt? Oder hat speziell der Hund einen MDR1 Defekt? Dieser kommt bei den Rassen Collie, Border Collie, Sheltie, Australian Shepherd , Schäferhund häufiger vor. Hunde mit diesem Defekt haben eine für bestimmte Substanzen bei weitem durchlässigere Blut-Hirn-Schranke als andere Hunde.

Vereinfacht heißt das: Stoffe, die nicht in das zentrale Nervensystem und somit ins Gehirn gelangen dürfen, weil sie dort Schaden anrichten, können durch die Kapillarwand teilweise hindurch und sind dann im Gehirn! Es ist unklar was sie dort anrichten.

Das zentrale Nervensystem (ZNS) der Säugetiere ist zwar um einiges ausgereifter als das eines Insekts, aber die Nebenwirkungen eines Insektizides können dennoch schnell Durchfall oder Erbrechen sein. Wenn es eingeatmet wird ist über eine Reizung der Atemwege, über Asthma bis hin zur Atemlähmung alles möglich. Eine Störung im ZNS macht sich möglicherweise als Gangstörung, Lähmung, Seh- oder Sprachstörung oder Epilepsie bemerkbar.

Auf Seite 24 dieser Dissertation über ein Mittel zur Entwurmung, welches sich auch die oben beschriebenen Rezeptoren zunutze macht wie Fluralaner, findet ihr den Hinweis, „kaum permeabel (durchlässig)“. Was aber passiert bei Hunden, die einen MDR1 Defekt aufweisen? Sie haben doch eine bei weitem durchlässigere Blut-Hirn-Schranke von Geburt an!

Wir alle gehen viel zu sorglos mit Insektiziden um, denn sogar unsere Haustiere werden damit regelmäßig behandelt!

Insektizide werden sehr vielfältig eingesetzt. Neonikotinoide in den Insektiziden belasten sogar unsere Böden und unser Grundwasser. Sie bleiben über Jahre dort und belasten letztendlich unser Ökosystem enorm. 

Hier findet ihr einen interessanten weiterführenende Artikel zum Thema.

Gericht stoppt Verwendung von Neonicotinoid

Für alle, die es bisher noch nicht wissen:
Zu den Neonikotinoiden gehören beispielsweise Dinotefuran, enthalten in  Vectra 3D (Floh- und Zeckenmittel für Hunde). Es hat als Pestizid in der EU keine Zulassung!

Imidacloprid, auch aus der Gruppe der Neonikotinoide, darf seit 1996 gegen Tierläuse bei Hunden und Katzen verwendet werden.

Weitere Präparate sind:
Advantage
Midaspot
Advantix (Kombipräparat mit Permethrin)
Advocate (Kombinationspräparat mit Moxidectin)
Seresto (Kombinationspräparat mit Flumethrin)

Im Handel gibt es, wie schon erwähnt, einige chemische Mittel, mit denen einem Befall durch Flöhe, Zecken und Milben vorgebeugt werden soll. Bei diesen Präparaten, die Insektizide enthalten, können Nebenwirkungen je nach Konstitution des Hundes nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommt das Problem, dass bei der Mehrzahl der Präparate zunächst unser Hund diese Nervengifte aufnehmen muss (!), damit dann das Ungeziefer nach einem Biss (!) stirbt und vom Hund ablässt.

Den Abwehreffekt gegen Flöhe und Zecken bleibt so manches Mittel schuldig und damit bietet es auch keinen Schutz vor Übertragung von Erregern.

Hier eine Übersicht über die Inhaltsstoffe der gängigen Antiparasitika:
Fluralaner  in Bravecto
Nitenpyram in Capstar
Spinosad in Comfortis
Lotilaner in Credelio
Afoxolaner in Nexgard
Lufenuron in Program
Sarolaner in Simparica

Falls ihr euch Sorgen um eure Gesundheit macht bezüglich einiger Krankheitserreger, die Flöhe und Zecken in einigen Fällen übertragen können, möchte ich auf eine Studie des Mittels Bravecto verweisen. Diese kann leider nicht ausschließen, dass bei Verwendung die Umwelt, also auch unsere Kinder, kontaminiert (verseucht) werden.

Für diejenigen, die sich für die Studie interessieren, sie ist hier zu lesen. Für diejenigen unter euch, die die Links nicht öffnen können, habe ich zwei wesentliche Ergebnisse der Studie zusammengefasst:

„(…) kommt das CVMP zu dem Schluss, dass das SpotOn die häusliche Umgebung leicht kontaminieren kann, ebenso andere Haustiere und Menschen (einschließlich Kinder), ohne dass körperlichen Kontakt stattfindet(…)“

„(…)Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Produkt die Umwelt in einer häuslichen Umgebung, einschließlich Menschen indirekt verunreinigen kann. Die genaue Ursache der Kontamination von Kontrolltieren in den TAS-Studien ist nicht klar. Daher sollten die beobachteten Werte in Kontrolltieren berücksichtigt werden, da dies auch für den Menschen gelten kann.(…)”.

Ich möchte abschließend erwähnen, dass ich hiermit niemandem meine Meinung aufdrängen möchte und ich gehe davon aus, dass jeder von euch mündig genug ist um sich sein eigenes Urteil zu bilden. Ich gehe auch ganz stark davon aus, dass ihr alle nur das Beste für eure Lieben möchtet. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass es oftmals leider an Aufklärung fehlt und ich hoffe, dass mit diesem Artikel auch diejenigen unter euch, die vielleicht mit den ganzen Fachbegriffen und Zusammenhängen verständlicherweise absolut überfordert sind, einen kleinen Einblick erhalten um selbst eine Entscheidung für oder gegen Antiparasitika zu treffen bzw. sie mit Bedacht ein zu setzen.

Ein Wort zum Schluss: Ist ein Hund häufig von Parasiten befallen, sollte die Ursache gefunden werden. Ein extremer Befall ist nicht natürlich und es sollte unbedingt nachgeforscht werden woran es liegt.

Ich hoffe, ihr konntet einige Informationen für euch mitnehmen und euren Gehirnknoten wieder lösen 😉

Natürlich interessiert uns eure Meinung! Wir freuen uns daher auf euren Kommentar.
Annabelle mit Leroy und Melody

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Meine genutzten Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/GABA-Rezeptor
artgerecht-tier.de
hausgarten.net
http://www.ema.europa.eu
doccheck.de
http://www.pharmawiki.ch/wiki/
geo.de
houndsandpeople.com

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo!

    Ich würde gerne wissen welchen Schutz du für deine Vierbeiner verdwendest?
    Greifst du dann zu gar keinem Schutz oder natürlichen Erzeugnissen wenn du die oben erwähnten Produkte nicht verwendest?

    LG Bianca

    • Hi, bei meinen Hunden gehe ich so vor, dass ich insbesondere für eine gesunde Darmflora und somit ein gutes Immunsystem sorge. Sie werden nach Prey Modell Raw also ohne Obst, Gemüse, Reis etc. gefüttert, also ich gehe den Weg, dass ich möglichen Ursachen entgegen trete und mich frage wieso ist ein Hund denn so anfällig für etwas?! Es gibt doch immer wieder das Phänomen, dass jemand besonders anfällig ist für etwas und andere so gar nicht. Das kennst du doch sicherlich auch?! Da finde ich, sollte man nach der Ursache suchen und gezielt agieren.

      Da es super funktioniert, habe ich seit dieser Umstellung keine Veranlassung mehr gehabt es anders zu handhaben.

      Ich habe vor Jahren die Chemiekeule verwendet bis mein damaliger Hund darauf reagiert hat und ich dahinter gestiegen bin, dass mein genutztes Produkt keine Zecken abwehrt. Zuvor war schon ein Kaninchen von mir an Frontline verreckt. Die Zeckenabwehr war für mich damals der wichtigste Grund für die Chemie. Ich bin dann bei meinem Hund auf Bernsteinketten umgestiegen und zeitgleich habe ich auf Barf umgestellt. Im Blogbeitrag Parasiten findest du ein paar Infos dazu.
      Lieben Gruß, Annabelle mit Leroy und Melody

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